Speisepilze der US Westküste

Fotogalerie der besten Speisepilze und andere interessanter Pilze des pazifischen Nordwestens und Kaliforniens
Zum TextDie beliebtesten Speisepilze im Pazifischen Nordamerika                        
Cantharellus formosus  Corner       Goldener Pfifferling
Ein großes und ein junges Exemplar von Cantharellus formosus, des Pazifischen oder Goldenen Pfifferlings ("Pacific chanterelle" oder "Golden chanterelle"). Zum Größenvergleich können die "Tannennadeln" (eigentlich Hemlocktannen und Douglasiennadeln) oder die Blätter des Salal (auch Schein- oder Rebhuhnbeere, Gaultheria shallon) herangezogen werden.   
© Daniel Winkler, King County WA, 24. Oktober 2007
Cantharellus formosus in Kalifornien unter Kiefern wachsend.
Seit 2008 ist auch ein C. californicus beschrieben, der mit Steineichen an der Küste wächst, aber dessen Leisten nicht so rosa sind© Daniel Winkler, Salt Point State Park, Sonoma County CA, 17. November 2007
Cantharellus californicus Arora & Dunham  Kalifornischer Pfifferling
Cantharellus californicus wächst mit Steineichen in der Küstenwäldern und fruchtet wenn es genug Regen gibt, zumeist zwischen Oktober und April. Der Stil ist oft sehr kurz,der Pfifferling gedrungen und schaut kaum aus dem Laub. Die Kappe ist oft sehr dreckig, daher heißen sie auch "Mudd puppies", was soviel heißt wie "Schlamm Welpen". Aber es ist es wert diese Eichenpfifferlinge zu waschen, denn sie sind oft sehr groß.
© Daniel Winkler, Oakland Hills, Contra Costa County, March 22, 2012.
 
Cantharellus roseocanus Redhead, Norvell & Moncalvo   Regenbogen-Pfifferling
Cantharellus roseocanus ist der am weitesten verbreitete Pfifferling in Nord Amerika. Er wächst von Küste zu Küste. C. roseocanus wurde erst 2012 als eigene Art erkannt, zuvor war es eine Varietät: C. cibarius var. roseocanus, aber DNS-Test belegen, dass C. cibarius nicht in Nordamerika vorkommt. Im Pazifischen Nordwesten ist dieser Pfifferling recht selten. An der Küste ist er mit Sitka Fichten (Picea sitchensis) vergesellschaftet, in den Bergen mit Engelmann Fichte (Picea engelmannii). Oft ist der Hut viel grauer, speziell wenn er viel Sonne ausgesetzt ist, aber die Leisten sind immer schön leuchten gelb-orange. Die Größe von Cantharellus roseocanus ist ähnlich der von C. cibarius, die anderen Westcoast Eierschwammerl C. formosus, C. californicus und C. cascadensis sind zumeist viel größer.
 
Craterellus tubaeformis  (Fr.) Quel.     Trompetenpfifferling

Trompetenpfifferling treten normalerweise spät in der Saison auf, dann aber oft in rauen Mengen, speziell auf schon stark zersetztem Todtholz. Leichten Frost steckt der Pilz gut ein und ist daher im Spätherbst und Winter häufig zu finden. Wegen der klimatischen Unterschiede zwischen Mitteleuropa und der Westküste ist Craterellus tubaeformis, der auf Deutsch auch Herbstpfifferling heißt, als Winter Chanterelle bekannt. 
 
© Daniel Winkler, Salt Point State Park, Sonoma County CA, 19. Januar 2008.
An der Westküste ist der  Trompetenpfifferling als "Tubies", "Yellow foot" oder "Winter-Chanterelle" bekannt, zu Deutsch etwa Röhre, Gelbfuß oder Winterpfifferling. 
March 5, 2008 - Mission, British Columbia, Canada
Tricholoma magnivelare  (Peck) Redhead  Amerikanischer Matsutake

Ein amerikanischer Matsutake-Ritterling (
Tricholoma magnivelare) aufgereiht an seinem Wirtsbaum. Als Mykorrhizapilz ist er standorttreu. Wenn man einmal das Aroma gerochen hat, kann man sich 
blind auf seine Nase zur späteren Identifizierung verlassen.
 Amerikanischer Matsutake (Tricholoma magnivelare), dessen Stielbasis im pazifischen Nordwesten fast immer in einer Lage vulkanischer Asche fußt. Hier ein seltener Drilling. "Magnivelare" (= großes Segel) beschreibt den großen Ring. © Photo D. Winkler, Oct 2008, Breitenbush, Oregon














Oft schaut beim Matsutake nicht viel Pilz aus dem Boden, da er hohe
Streuauflagen zu schätzen scheint. 
© Photo Daniel Winkler, Oct 2008, Breitenbush, Oregon

Verpa bohemica  (Krombh.) J. Schroet.        Runzel-Verpel oder Böhmische Morchel
[synon. Ptychoverpa bohemica (Krombh.) Boud]
© Daniel Winkler, Kirklandd WA, 19. April 2008
© Daniel Winkler, Kirkland, King County WA, April 19, 2008
Zwei Runzel-Verpeln (Verpa bohemica) wachsen zwischen dem Laub derHaarfrüchtigen Balsam-Pappel (Populus trichocarpa oder P. balsamifera subsp. trichocarpa, "Black cottonwoods"), dem größten Laubbaum Nordamerikas.  Verpeln sind anscheinend, wie auch die echte Morcheln, sowohl Saprophyten wie auch Mykorrhizapilze.  Im pazifischen Nordwesten wachsen Verpeln fast immer um diese Pappel und fruktifizieren zur gleichen Zeit im Frühjahr, zu der die Pappel blüht. Nachdem der unverkennbare Frühlingsduft dieser oft riesigen Pappeln weit vom Wind vertragen wird, ist es einfach sich  zur richtigen Zeit auf Verpelpirsch zu begeben.
Die Verpel hat einen freistehende Kappe, wahrend die echte Morchel (Morchella spp.) keine Kappe hat, sondern insgesamt hohl ist.
 © Daniel Winkler, Kirkland, King County WA, April 19, 2008
Ein echtes Verpa-Nest am Fuße einer Balsom Pappel.
© Daniel Winkler, Redmond WA,  23.April 2008  
 
Agaricus augustus  Fries     Riesenegerling
Ein Korb gefüllt mit Riesenegerlingen (Agaricus augustus), der im Großraum Seattle in Gartenanlagen weit verbreitet ist. Das Mandelaroma ist unübertroffen, wären die Egerlinge nur doch keine Schwermetallakkumulationsspezilisten.
© Daniel Winkler, Kirkland WA, September 2004
Kirkland WA, 20.6.2008, © Daniel Winkler

 


Laetiporus conifericola  Burdsall & Banik  Koniferen Schwefelporlinge
Aus dem Totholz umgestürzter Nadelbäume wächst ein Koniferen Schwefelporling (Laetiporus conifericola). Erst im Jahre 2001 wurde der Koniferen Schwefelporling, der im Westen Nordamerikas weit verbreitet ist, mittels DNS Untersuchungen als eigene Art bestimmt. Gekocht genießbar ist nicht der ganze Porling, sondern nur der junge, weiche Zuwuchs entlang der äußeren Kante des Fruchtkörpers. Auch zeigen einige Leute eine Unverträglichkeit nach Genuss des Schwefelporlings.
Das Fleisch dieser neu benannten Art schmeckt im Gegensatz zum milden Hühnerfleischgeschmack von Laetiporus sulphureus,"chicken of the woods", stark nach Zitrone unter Beibehaltung des Hühnerfleischcharakters. Somit ist der Koniferen Schwefelporling eindeutig und nicht nur genetisch zu unterscheiden. Wir verkochen den Porling zu "lemon chicken", das wir normal ohne Pilz mit einer Soße mit sehr viel Zitronensaft, Honig und etwas Rahm zu bereiten, das wir dann mit Reis genießen.

Speisepilze, die vorwiegend in Kalifornien verbreitet sind

 
Amanita calyptroderma G.F. Atk. & V.G. Ballen  - Kalifornischer Kaiserling
© Daniel Winkler, Salt Point State Park, Sonoma County CA, 17. November 2007
© Daniel Winkler, Santa Cruz CA, 15. November 2007
Amanita calyptroderma (ehemals A. calyptrata oder A. lanei), ein Verwandter des europäischen Kaiserlings (Amanita caesarea), ist in Kalifornien als "Coccora" oder "Coccori", nach einem italienischem Namensvetter, bekannt. Es ist ein beliebter, aber auch gefürchteter Speisepilz, der roh gegessen werden kann, so wurde er mir zum Beispiel in einem sehr guten Salat serviert. Wird Amanita calyptroderma gekocht, bekommt er ein starkes  "frutti di mare" Aroma.
Manch eine Pilzvergiftung in Kalifornien, leider des öfteren auch mit tödlichem Ausgang, beruht auf der Verwechslung des Coccoras mit dem Knollenblätterpilz (Amanita phalloides). Der Knollenblätterpilz wurde im letzten Jahrhundert mit Korkeichen nach Kalifornien eingeschleppt und hat den Sprung zu heimischen Steineichen geschafft und verbreitet sich sehr erfolgreich als Mykorrhizapilz in Kalifornien und auch langsam im pazifischen Nordwesten.
Amanita calyptroderma gehört zu Amanita Sektion Caesareae, benannt nach dem Kaiserling (Amanita caesarea), die im Sudwesten der Usa auch durch Amanita jacksonii vertreten ist.
© Daniel Winkler, Santa Cruz CA, 15. November 2007
 
Amanita velosa (Peck) Lloyd   Kalifornischer Scheidenstreifling
 
Amanita velosa Wulstling Kalifornien
Amanita velosa ist ein Scheidenstreifling, der mit Steineichen assoziiert ist und im Frühjahr fruchtet. Amanita velosa hat einen süßlich-nussigen Geschmack, der mich schwer beeindruckt. Da können nicht viele Speisepilze mithalten! 
 
Allerdings fruchtet zur gleichen Zeit auch unter immergrünen Eichen der tödlich giftige Amanita ocreata, ein weißer Knollenblätterpilz. Amanita velosa wächst von Baja California, Mexiko über Kalifornien bis nach Süd Oregon. 
© Daniel Winkler, Sebastopol CA, Sonoma County, 23.3.2012
 
 
Amanita velosa Wulstling Kalifornien
 
Hier sieht man gut die dicke Scheide aus der der Stiel wächst.
© Daniel Winkler, Oakland Hills, Alameda County CA, 21.3.2012
Amanita velosa Scheidenstreifling Kalifornien

Natürlich ist es etwas riskant sich an Amanitae zu laben, aber für einen erfahren Pilzsucher ist dieser Pilz gut erkennbar. Er ist mittelgroß, oft lachs-farbend und hat einen dicken Velumfetzen auf der Kappe. Er hat keinen Ring wie auch die anderen Mitglieder in der Vaginatae Sektion der Amanita Gattung, benannt nach dem Grauen Scheidenstreifling (Amanita vaginata), einem Artenkomplex, der weit verbreitet ist in Nordamerika. Allerdings traut sich hier kaum einer Amanita vaginata zu essen, dessen populärer Name "grisette" direkt aus dem Französischem entlehnt wurde, wo er auch ein beliebter Speisepilz ist. Alle Mitglieder der Sektion Vaginatae scheinen harmlos zu sein, aber bei Amanitas experimentiert man besser nicht zu mutig.
Wenn ich neuen Amanita esse, dann nur mit Leuten, die dies selber seit Jahren ohne Schaden praktiziert haben. Etwas Durchfall oder Bauchweh von Pilzen ist unangenehm und ärgerlich, aber Intensivstation, Nahtod oder gar Tod ist kein einziger Pilzgenuss wert und schlichtweg unverzeihlich.

Ich selber wohne nahe Seattle an der Westküste, aber versuche jeden Winter zum Schwammerlsuchen und Freunde besuchen nach Kalifornien zu kommen. Aber als Frühjahrespilz hat es eine Weile gedauert bis ich A. velosa endlich begegnet bin. Und für meinen Speisepilzführer für Kalifornien wollte ich diesen Pilz eigentlich auslassen wegen seiner gefährlichen Verwandtschaft. Nachdem ich ihn aber probiert hatte, war das nicht möglich. So habe ich den Hinweis dazu geschrieben,
"nur für erfahrene Pilzsucher, Irrtum kann tödlich sein".

 
Totentrompeten (Craterellus cornucopioides) wachsen zwischen dem Laub von "Tanoaks" (Lithocarpus densiflorus, seit 2008 Notholithocarpus densiflorus)Die Totentrompete ist ein Mykorrhizapilz dieser immergrünen Steinfruchteiche, die ein Mitglied der Buchenfamilie (Fagaceae) ist.
© Daniel Winkler, Salt Point State Park, Sonoma County CA, 21. Jan. 2008
 
Ein Westküsten Stoppelpilze ist Hydnum umbilicatum, der Hydnum repandum zum Verwechseln ähnlich ist und dessen Verbreitungsgebiet sich dort überschneidet. Allerdings hat die Kappe einen Nabel und der Pilz ist viel kleiner (<5cm). Oft ist Hydnum umbilicatum mit Vaccinium ovatum, "Evergreen huckleberry", einer strauchigen Verwandten der Heidelbeere, vergesellschaftet. Genetische Untersuychungen haben gezeigt das der gleiche Pilz auch in Skandinavien beheimatet ist. Stoppelpilze werden in Nordkalifornien im Winter gewerblich gesammelt.
© Daniel Winkler, Salt Point State Park, Sonoma County CA, 21. Jan. 2008
 
Diese Seite wurde zuerst 2008 erstellt.
 
Letzte Änderung: 30. Dezember 2013
Last edited Mon, 12/30/2013 - 14:31